Griess aktuell

  

(04.05.2015)

Flüchtlinge und Steuerflüchtlinge

Eine Glosse aus aktuellem Anlass

Welche Prominenten bewundern Sie so? Franz Beckenbauer, Nico Rosberg, Sebastian Vettel? Alles Leute, die ihren Steuerwohnsitz ins Ausland verlegt haben. Aber sie selbst nennen sich ja nicht Steuerhinterzieher, sondern: Steuerflüchtlinge. Interessante Sprachregelung: Der Steuerhinterzieher ist ein Täter. Der Steuerflüchtling aber ein Opfer.
Da stellen sich also superreiche Deutsche moralisch auf eine Stufe mit politischen Flüchtlingen.
Dabei ist der politische Flüchtling jemand, der sein Land verlassen muss, um sein Leben vor staatlichem Zugriff zu schützen. Der Steuerflüchtling verlässt sein Land dagegen freiwillig, um sein Geld vor staatlichem Zugriff zu schützen.
Der politische Flüchtling muss unter größten Strapazen und Entbehrungen durch die Wüste fliehen, Richtung Europa, an dessen Recht er so glaubt. Der Steuerflüchtling hat dagegen die Schnauze voll vom europäischen Recht, zumindest vom Steuerrecht, und flieht derweil in die genau entgegengesetzte Richtung, allerdings voll klimatisiert, in die Wüste hinein, in die Oase, in die Steuer-Oase.
Und während der politische Flüchtling, egal, wo er hinkommt, überall erst einmal auf Hass, Verachtung und Ablehnung stößt, ist der Steuerflüchtling überall, wo er hinkommt, höchst willkommen. Und während der politische Flüchtling überall, wo er hinkommt, erst einmal ein Arbeitsverbot bekommt, kann der Steuerflüchtling von überall auf der Welt weiterhin sein Geld für sich arbeiten lassen.
Und der Gipfel ist, dass wir denen sagen: Das Boot ist voll.
Die sitzen im überfüllten Boot, während wir beklagen, dass wir aussterben. Das ist doch demographische Schizophrenie.
Wir sagen immer, wir haben es erfunden: Humanismus, Aufklärung, Demokratie und Menschenrechte. Wir sind das Gewissen der Welt. Die EU hat 2012 den Friedensnobelpreis bekommen. Wir beurteilen, wann es in Syrien reicht oder in Afghanistan Krieg für die Rechte von Frauen und Kinder geführt wird. Aber wir trauen uns nicht, einem Edward Snowden Asyl zu geben und lassen jedes Jahr Tausende Afrikaner an unseren Außengrenzen im Mittelmeer ersaufen.
Während der echte Flüchtling also, egal, ob er überlebt oder nicht, am Ende immer in seiner ganz persönlichen Hölle landet, landet der Steuerflüchtling am Ende immer im Paradies - im Steuerparadies. Weil da die Plätze käuflich sind, landen dort nicht die Guten und Gerechten, sondern die Boni-Abzocker und Arbeitsplatz-Vernichter.
Oder was meint ihr, wie viele Leute mit Lohnsteuerkarte eine Briefkastenfirma in einer Steuer-Oase haben?



 
 

 
  
  

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